Hilfen für junge Volljährige

§ 41 SGB VIII
Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung

(1) Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe aufgrund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.

(2) Für die Ausgestaltung der Hilfe gelten § 27 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 28 bis 30, 33 bis 36, 39 und 40 entsprechend mit der Maßgabe, dass an die Stelle des Personensorgeberechtigten oder des Kindes oder des Jugendlichen der junge Volljährige tritt.

(3) Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbständigung im notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden.

Bei allen Jugendlichen, die sich mit Erreichen der Volljährigkeit noch in der Kinder- und Jugendhilfe befinden, muss geklärt werden, ob weiterhin Hilfebedarf im Rahmen des SGB VIII besteht und somit eine Unterstützung über das 18. Lebensjahr hinaus notwendig ist. Auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben – unabhängig von ihrem Aufenthaltstitel – durch den § 41 SGB VIII einen subjektiven Rechtsanspruch auf eine Fortsetzung der Erziehungshilfen über die Volljährigkeit hinaus. Die im Rahmen der Hilfen für junge Volljährige  gewährten Unterstützungsleistungen können im Prozess der Verselbstständigung junger Flüchtlinge eine wichtige Ressource darstellen.

Die rechtlichen Kommentierungen zu § 41 SGB VIII (vgl. Wiesner 2011, Tammen 2013) benennen Fallgruppen, die ausdrücklich Adressaten der Hilfen für junge Volljährige sind. Dazu gehören insbesondere

  • Care Leaver, die ganz oder teilweise bis zur Volljährigkeit in der stationären Jugendhilfe aufgewachsen sind und weitere Unterstützung bei der Verselbstständigung benötigen
  • junge Menschen, deren Eingliederung in die Arbeitswelt aufgrund schulischer, beruflicher oder sonstiger Abbrüche nicht erreicht werden konnte oder gefährdet scheint sowie
  • Jugendliche, die mit problembelasteten Lebenslagen wie z.B. gesundheitlichen Einschränkungen, seelischen Belastungen oder psychischen Störungen konfrontiert sind.


Die benannten Aspekte greifen auch typische Lebenssituationen junger Flüchtlinge auf, die eine Grundlage für eine Hilfegewährung nach § 41 SGB VIII bilden können.

Ebenfalls im § 41 SGB VIII geregelt ist die Nachbetreuung, die vorsieht, dass junge Volljährige nach Beendigung der Jugendhilfe noch weiter beraten und betreut werden können (vgl. § 41 SGB VIII Abs. 3). Dies soll dazu dienen, die Wirksamkeit der bis dahin geleisteten Hilfe zu sichern und den Übergang junger Menschen in die Selbstständigkeit zu erleichtern, indem sie in Notfällen und Einzelfragen weiter Unterstützung von der gewohnten Bezugsperson erhalten. Hilfen für junge Volljährige oder Nachbetreuungshilfen werden in der Regel bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt, sind aber in „begründeten Einzelfällen“ bis zur Erreichung des 27. Lebensjahres möglich.