Jugendsozialarbeit/Betreutes Jugendwohnen

§ 13 SGB VIII Jugendsozialarbeit

(1) Jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, sollen im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen angeboten werden, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.

(2) Soweit die Ausbildung dieser jungen Menschen nicht durch Maßnahmen und Programme anderer Träger und Organisationen sichergestellt wird, können geeignete sozialpädagogisch begleitete Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen angeboten werden, die den Fähigkeiten und dem Entwicklungsstand dieser jungen Menschen Rechnung tragen.

(3) Jungen Menschen kann während der Teilnahme an schulischen oder beruflichen Bildungsmaßnahmen oder bei der beruflichen Eingliederung Unterkunft in sozialpädagogisch begleiteten Wohnformen angeboten werden. In diesen Fällen sollen auch der notwendige Unterhalt des jungen Menschen sichergestellt und Krankenhilfe nach Maßgabe des § 40 geleistet werden.

(4) Die Angebote sollen mit den Maßnahmen der Schulverwaltung, der Bundesagentur für Arbeit, der Träger betrieblicher und außerbetrieblicher Ausbildung sowie der Träger von Beschäftigungsangeboten abgestimmt werden.

Wie im Kinder- und Jugendhilfegesetz definiert, ist das Ziel der Jugendsozialarbeit, „jungen Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, […] im Rahmen der Jugendhilfe sozialpädagogische Hilfen [anzubieten], die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern (§ 13 Abs. 1 SGB VIII). Die Leistungen der Jugendsozialarbeit können bis zum 27. Lebensjahr gewährt werden. Die Jugendsozialarbeit bietet somit ein großes Repertoire an sozialpädagogischen Hilfen, die auch von jungen Flüchtlingen in Anspruch genommen werden können. In allen Handlungsfeldern – schulische Bildung, berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und soziale Integration – können Jugendmigrationsdienste, die Jugendberufshilfe und die Schulsozialarbeit einen wichtigen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration dieser jungen Menschen leisten.

Das betreute Jugendwohnen ist ein weiteres Unterstützungsangebot im Leistungsbereich der Jugendsozialarbeit. Es bietet jungen Menschen, „die für die Dauer ihrer schulischen oder beruflichen Maßnahme oder zur beruflichen Eingliederung ihre Familie bzw. ihren bisherigen Wohnort verlassen und an einem anderen Ort auf sich alleine gestellt eine Wohnung suchen und ihren Alltag gestalten (müssen)“, Unterkunft und sozialpädagogische Begleitung (de Paz Martínez/Höblich 2010, S. 10). Für junge Flüchtlinge, die ohne Eltern oder andere sorgeberechtigte Person nach Deutschland gekommen sind und die einen schulischen oder beruflichen Einstieg geschafft haben, kann dieses Angebot eine bedarfsgerechte Hilfe sein. Zugleich muss bedacht werden, dass das Jugendwohnen eine voraussetzungsvolle Hilfeform ist und somit nicht für alle jungen Menschen gleichermaßen geeignet ist. So bedarf es etwa eines relativ hohen Grades an Verselbstständigung und guter Perspektiven für eine erfolgreiche Integration in das Schul- oder Ausbildungssystem. Demnach muss auch hinsichtlich des Jugendwohnens sorgfältig geprüft werden, ob dies die passende Hilfeform für den individuellen Bedarf des jungen Menschen darstellt.