Berufsberatung

Eine grundlegende Frage bei der erstmaligen Vermittlung junger Menschen in Ausbildung und Arbeit betrifft die Berufswahl. Für eine erfolgreiche berufliche Integration gilt es dabei, sowohl die vorhandenen Fähigkeiten und Ressourcen einer Person als auch ihre Interessen und Persönlichkeitseigenschaften zu berücksichtigen. Bei der Entwicklung und Konkretisierung eigener Entwicklungs- und Beschäftigungsperspektiven benötigen junge Menschen Unterstützung – dies gilt auch für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Neben dem Hilfeplanverfahren in der Kinder- und Jugendhilfe gibt es mit den Angeboten der Berufsberatung ein weiteres Instrument zur Klärung des persönlichen Unterstützungsbedarfs eines jungen Menschen und zur Initiierung darauf abgestimmter Maßnahmen.

Eine der zentralen Anlaufstellen bei Fragen zu Ausbildung und Arbeit ist die Bundesagentur für Arbeit bzw. die örtlich zuständigen Arbeitsagenturen und Jobcenter. Diese bieten gemäß §§ 29 ff. SGB III kostenfreie und neutrale Berufsberatung an, die jederzeit auch von ausländischen Jugendlichen und jungen Volljährigen – unabhängig von ihren Aufenthaltsstatus – in Anspruch genommen werden.

In Rheinland-Pfalz werden zudem seit Anfang 2016 durch das Arbeitsministerium und die Bundesagentur für Arbeit in Zusammenarbeit mit den Kommunen sogenannte Beschäftigungspiloten installiert. Diese sollen vor allem den Flüchtlingen grundsätzliche Informationen über den deutschen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt vermitteln, die noch keinen ausreichenden Zugang zu den Angeboten der Arbeitsagenturen und Jobcenter haben.  Das Beratungsangebot der Arbeitsagenturen und Jobcenter wird durch ähnlich gestaltete Angebote der Handwerkskammern ergänzt. In den vier Handwerkskammern des Landes Rheinland-Pfalz (Koblenz, Pfalz, Rheinhessen, Trier) wurden sogenannte „Flüchtlings-Netzwerker“, „Flüchtlings- und Migrationscoachs“ oder „Flüchtlings- und Migrationsnetzwerker“ eingestellt. Sie haben die Aufgabe, junge Flüchtlinge sowie Asylbewerberinnen und Asylbewerber mit konkreter Bleibeperspektive auf ihrem Weg in ein Praktikum, in eine Hospitation oder in ein duales Ausbildungsverhältnis im Handwerk zu unterstützen. Im Saarland ist ein entsprechendes Angebot in Planung und wird voraussichtlich ab September 2016 realisiert.

Darüber hinaus gibt es in beiden Bundesländern weitere Beratungsstellen, die sich mit ihrem Angebot auch oder speziell an junge Ausländerinnen und Ausländer richten. Dazu gehören etwa das rheinland-pfälzische Netzwerk „InProcedere – Bleiberecht durch Arbeit 2.0“ und die Jugendmigrationsdienste, die sich an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund von 12 Jahren bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres richten.