Beteiligung / Beschwerde

§ 8 SGB VIII Beteiligung von Kindern und Jugendlichen

(1) Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihrem Entwicklungsstand an allen sie betreffenden Entscheidungen
der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen. Sie sind in geeigneter Weise auf ihre Rechte im Verwaltungsverfahren
sowie im Verfahren vor dem Familiengericht und dem Verwaltungsgericht hinzuweisen.
(2) Kinder und Jugendliche haben das Recht, sich in allen Angelegenheiten der Erziehung und Entwicklung an das
Jugendamt zu wenden.
(3) Kinder und Jugendliche haben Anspruch auf Beratung ohne Kenntnis des Personensorgeberechtigten, wenn
die Beratung auf Grund einer Not- und Konfliktlage erforderlich ist und solange durch die Mitteilung an den
Personensorgeberechtigten der Beratungszweck vereitelt würde. § 36 des Ersten Buches bleibt unberührt.

Die Beteiligung junger Menschen ist in § 8 SGB VIII festgeschrieben und stellt die Beachtung der Adressatenperspektive in den Mittelpunkt aller den jungen Menschen betreffenden Entscheidungen und Vorgänge.
Die fachlichen Standards bei der Gewährung und Umsetzung von Beteiligung der jungen Menschen im System der Kinder- und Jugendhilfe gilt gleichermaßen für die Zielgruppe der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge.
Um Beteiligung umsetzen zu können, braucht es zunächst eine gute Informationsvermittlung und -bereitstellung für die jungen Menschen. Anschließend daran, ist es von besonderer Wichtigkeit, gerade in der Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, dass die sprachliche Verständigung (über DolmetscherInnen und den Zugang zu Sprachkursen) sichergestellt ist.

Die Beteiligung von jungen Menschen kann als Schlüsselprozess zur Qualifizierung der Hilfegewährungspraxis sowie zur Weiterentwicklung bedarfsgerechter Angebote für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge angesehen werden. Nur gemeinsam mit den jungen Menschen lassen sich die fachlichen Fragen nach angemessener Hilfe und Begleitung beantworten. Zudem bietet die konsequente Arbeit an der Entwicklungsaufgabe Beteiligung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (aber auch für alle anderen jungen Menschen, die im Rahmen der Hilfen zur Erziehung betreut werden) die Chance, dem Erleben, ein „Objekt“ innerhalb von Verfahren zu sein, einen bewussten Gegenpunkt zu setzen, der es den jungen Menschen ermöglicht, sich selbst als aktiv gestaltend zu erleben. Das Eröffnen solcher Erfahrungsfelder innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe ist zentral für Selbstwirksamkeitserfahrungen und zielt auf die Befähigung der jungen Menschen dazu, ihr Leben eigenständig auszugestalten.