(Vorläufige) Inobhutnahme

Junge geflüchtete Menschen unter 18 Jahren werden durch das örtliche Jugendamt in Obhut genommen werden, insofern sie ohne Personensorgeberechtigte nach Deutschland einreisen. Während der vorläufigen Inobhutnahme wird zunächst geprüft, ob das Kindeswohl durch die bundesweite Verteilung gefährdet wird, eine gemeinsame Inobhutnahme mit Geschwistern oder anderen umF erforderlich ist, verwandte Personen im In- oder Ausland ausfindig gemacht werden können oder der Gesundheitszustand des jungen Menschen eine Verteilung innerhalb der gesetzten 14 Werktage nicht möglich ist. Zudem erfolgt die Alterseinschätzung gem. § 42f SGB VIII. Das behördliche Verfahren zur Altersfeststellung regelt die Einschätzung an Hand der Ausweispapiere oder einer Inaugenscheinnahme. Es wird darauf hingewiesen, dass die jungen Menschen gem. § 8 SGB VIII „an allen sie betreffenden Entscheidungen […] zu beteiligen“ sind und sie unverzüglich die Gelegenheit erhalten, eine Person des Vertrauens zu benachrichtigen (§ 42 Absatz 2 Satz 2 SGB VIII). Bestehen Zweifel an der Minderjährigkeit ist eine Altersbestimmung mit Hilfe einer ärztlichen Untersuchung (§ 42f Absatz 2 SGB VIII) durchzuführen.

Die Gesetzesänderung (§ 42 SGB VIII) regelt seit dem 01.11.2015 unter anderem das behördliche Verfahren der Alterseinschätzung. Das Kindeswohl, die Achtung der Menschenwürde und der körperlichen Integrität müssen bei der Alterseinschätzung gewahrt werden. Die Beteiligung des jungen Menschen, die Wahrung der Rechte und deren Pflichten werden gestärkt.

Die vorläufige Inobhutnahme endet mit der Übergabe des jungen Menschen an einen Personensorgeberechtigen oder an das nach der Verteilung zuständige Jugendamt. In begründeten Fällen und dem Vorliegen von Verteilungshindernissen verbleibt der junge Mensch in der Obhut des Jugendamtes, dass für die vorläufige Inobhutnahme zuständig war.

Während der Inobhutnahme (§ 42 SGB VIII) stehen zunächst die Bestellung eines Vormunds beim Familiengericht und die Klärung der Zukunftsperspektiven des jungen Menschen unter Berücksichtigung des Bildungs- und Entwicklungsstandes im Mittelpunkt der weiteren Vorgänge. Die Ermittlung des erzieherischen Bedarfs ist hierbei ebenso wichtig, wie die Entwicklung passgenauer Hilfe- und Unterstützungsstrukturen hinsichtlich Spracherwerb, Bildung (Schule, Ausbildung) sowie Integration und Teilhabe. Auf Grund dieser Bedarfen und Wünschen des jungen Menschen wird über die weitere Gewährung und Form der Hilfen zur Erziehung als Anschlussmaßnahme entschieden.Die Inobhutnahme endet mit der Gewährung von Anschlusshilfen, die durch den Vormund beantragt werden, oder mit Erreichen der Volljährigkeit.